Winter Earlybird

Irgendetwas lässt mich hochschrecken. War da ein Geräusch? Im Zimmer herrscht Dunkelheit und hinter dem Fensterglas noch stockfinstere Nacht. Ich drehe mich auf die Seite, reibe mir die Augen und da ist es wieder. Mein Wecker macht sich eindringlich bemerkbar und es schießt mir wieder ins Gedächtnis. Gleich werden Arne und Joschi vor der Tür stehen und mich mitsamt meinem Bike einladen wollen. Es ist 5.15 Uhr und zwar nicht super früh aber trotzdem früh. Ich gähne lange und ausgiebig und versuche den ziemlich schweren Schweinehund von mir herunter zu welzen. Geschafft. Meine beiden Hunde haben spitz gekriegt das irgendetwas vor sich geht und schleichen zusammen mit mir durchs Treppenhaus in die Küche. Jetzt erstmal einen Kaffee, dann der ganze Rest. Verdammt, schon 5.30 Uhr und mir bleiben noch genau 20 Minuten um Startklar zu sein. Meine beiden Kollegen haben sicher wenig Lust bei aktuell -15° Grad vor der Tür zu warten.Wir wuchten die Bikes ins Auto und installieren den Heckträger. Ich muss für Ricardo von DEIN HARZ ein zusätzliches Bike einpacken, denn er begleitet uns heute auf unserem „earlybird“ und will ein paar Fotos und Videosequenzen schießen. Dann geht es los und wir versuchen unsere Finger in die Lüftungsschlitze des Wagens zu stecken um wieder etwas Gefühl darin zu bekommen. Die Temperatur fällt kurz hinter Bad Lauterberg auf – 18° Grad und wir freuen uns schon sehr auf den baldigen Zusammenbau der Bikes. Noch ist es dunkel. Die verschneite Harz Landschaft rauscht an uns vorbei, wir fahren immer tiefer in den Harz hinein und dann sind wir auch schon da. Starten wollen wir heute in Oderbrück. Von hier aus kommt man bequem über einige schöne Wege zum Goetheweg und schließlich über die Brockenstraße hinauf zum Brockenplateau. Ziel ist natürlich der Sonnenaufgang, das einmalige Licht und der gigantische Ausblick ins Harzer Umland. Wir begrüßen Ricardo, fummeln mit kalten Fingern noch kältere Fahrradteile aneinander und schlüpfen schließlich in unsere eisigen Handschuhe. Puh, die ersten Meter sind immer die härtesten und es dauert eine Weile bis man bei diesen Bedingungen auf Betriebstemperatur gekommen ist. Die Tatsache das ich immer wieder kurz vorsprinten, meinen Rucksack abziehen, die Kamera auspacken und diese ohne meine Handschuhe bedienen muss, macht es nicht gerade angenehmer. Aber genug geheult. Meine Finger sind mittlerweile warm und auch meine Lunge hat sich an die morgendliche Frischluftzufuhr gewöhnt. Schon bald erreichen wir nach dem Dreieckigen Pfahl und der Kreuzung am Eckersprung das Steilstück vor dem alten Goethebahnhof. Eigentlich war der Plan ein Schwitzen zu vermeiden und dieses Stück entspannt zu schieben. Johannes vor mir macht aber leider keinerlei Anstalten nun endlich vom Bike zu steigen und kämpft sich Meter für Meter über den Schnee hinauf. Das Thema Absteigen hat sich dann für mich erledigt und der Sportsgeist taucht plötzlich neben mir aus den Fichten auf und ich hefte mich an die breiten Reifen meines Vordermanns. Wir schwitzen und Schneekristalle glitzern auf den Rahmen unsere Mountainbikes. Das Morgenlicht verändert sich langsam, das dunkle Blau weicht nach und nach einem warmen Orange. Als wir schließlich auf die Brockenstraße treffen, sind es nur noch 20 Minuten bis zum Sonnenaufgang. Jetzt heisst es nicht lange Fackeln und die letzten Höhenmeter in Angriff nehmen. Dann haben wir es geschafft. Ein winziger hell leutender Punkt schiebt sich aus der Nebelwand am östlichen Horizont und ein neuer Tag im Harz beginnt. Das Morgenlicht verwandelt sich jetzt mit jeder Minute weiter, wird weicher und scheint selbst die gefrorene und verschneite Landschaft aufzuwärmen. Wir stehen am Brockenplateau und klatschen ab. der Gipfel. Wir waren ja schon öfter hier oben aber die Erfahrung nach einer anstrengenden Auffahrt mit dieser magischen Atmosphäre belohnt zu werden ist immer wieder faszinierend. Noch schnell ein paar Fotos geschossen, dann geht es auch schon wieder hinab ins Tal und in Richtung Oderbrück. Entspannt rollen wir die Brockenstraße und den Goetheweg hinab und genießen jeden Meter. Unterwegs begegnen uns die ersten Wanderer und Langläufer und grüßen freundlich. Dann haben wir auch schon wieder den Parkplatz erreicht und ein Grinsen im gefrorenen Gesicht. Schade das es schon vorbei ist. Aber in unseren Köpfen spukt schon der nächste Plan für einen weiteren, noch genialeren Earlybird oder Snowride durch den Harz.

Wir wollen Euch an dieser Stelle noch ein paar Tipps und Empfehlungen für einen Snowride im Harz geben:
Bitte fahrt gerade im Winter besonders rücksichtsvoll. Die Wege sind durch die Schneelage meist schmaler und viele Menschen sind auf Schnee und Eis vielleicht auch unsicherer als sonst. Die beste Zeit für einen Earlybird oder auch Snowride von einem bekannten und viel frequentierten Hotspot bzw. Hauptwanderweg ist der frühe Morgen oder spätere Nachmittag. Dann herrscht wenig Betrieb und es kommt von Vorneherein nicht zu Problemen mit anderen Besuchern.
Auch die Loipen sind natürlich tabu und ihr solltet es tunlichst vermeiden auf diesen zu Fahren. Die Langläufer haben hier definitiv Vorrang und sollte es mal eng werden, dann haltet Ihr doch einfach kurz an oder macht Platz.

Viel Spaß bei Eurem nächsten Snowride oder Earlybird

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6 Gedanken zu „Winter Earlybird“

  1. Hey Jan,

    einfach toll Deine Snowrides und das Material dazu. Ich bin jedes mal wieder begeistert von Deinen Bildern und unserem Harz im Winter.

    Ich war letztes WE schon auf dem Brocken und jetzt Samstag geht es auch wieder los. Diesmal aber zu Fuss. Änderung des Point of View :)…

    Beste Grüße und weiter so
    Swenio

  2. Moin Swenio, vielen Dank für das Feedback. Freut mich sehr das die Bilder und Bericht aus dem Harz gefallen. Da kommt in diesem Jahr noch einiges 🙂

  3. Hallo René, vielen Dank für Deinen Kommentar. Gerne kann ich Dir ein Bild zur Verfügung stellen. Meinst Du das Argon FAT in „semi permeable yellow glaze“ ? Das ist ein Neongelb, welches aber ohne weiße Grundierung aufgebracht wird und daher leicht durchscheinend ist. Benötigst Du offizielle Nicolai Fotos?

    Schau auch mal hier: http://www.trailtech.de/blog/nicolai-argon-fat-stealth/

    Jan

  4. Hallo, ich würde auch gerne einmal im Schneegestöber den Brocken hoch fahren. Wie lang ist die Auffahrt, welche Zeit seit Ihr gefahren? Danke und Grüße aus Velbert

  5. Hallo Lothar, vielen Dank für Deine Nachricht. Es kommt darauf an von wo man starten möchte bzw. wie lange man fahren will. Der schnellste Weg von einem Parkplatz zum Brocken ist Oderbrück. Von dort sind es ca. 45-60min je nach Fahrweise. Das haben wir in besagtem Fall auch gemacht. Für spontane Sonnenaufgangs-Aktionen die beste Lösung. Ansonsten kann man auch von Schierke bequem die Brockenstraße hoch.
    Grüße Jan

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